Neue Entwicklungen im P&R-Skandal: Jetzt ermitteln auch Schweizer Behörden

Anscheinend haben nun auch Schweizer Staatsanwälte Ermittlungen im Anlageskandal um den insolventen Containervertrieb P&R aufgenommen. Laut Angaben der Website Investmentcheck.de sei nun auch die Staatsanwaltschaft in Zug in dieser Angelegenheit aktiv geworden. Die Schweizer Behörde hatte zuvor eng mit der Staatsanwaltschaft in München bei ihren Ermittlungen wegen Verdachts auf Anlagebetrug zusammengearbeitet. Wie Investmentcheck.de berichtet, steht bei den Ermittlungen der Schweizer Strafverfolger nun auch eine mögliche Geldwäsche im Raum.

Hintergründe der P&R-Insolvenz

Über viele Jahre hatte P&R Privatanlegern Investments in Container verkauft. Anfang 2018 meldete der Großteil der Unternehmensgruppe dann Insolvenz an. Wie sich anschließend herausstellte, existierte von 1,65 Millionen verkauften Containern eine Million lediglich auf dem Papier. Das Unternehmen hatte zwar Gelder bei Kunden für diese Container eingesammelt, hat diese jedoch nie erworben. Stattdessen wurden die Kundengelder von P&R offenbar zum Stopfen von Finanzlöchern verwendet.

Über die Jahre haben Anleger mehrere Milliarden Euro in die Firma P&R investiert. Im aktuellen Insolvenzverfahren geht es um offene Forderungen seitens der Investoren in Höhe von circa 3,5 Milliarden Euro. Insgesamt sind etwa 54.000 Privatanleger betroffen, die größtenteils über 70 Jahre alt sind.

Die Ermittlungen der Schweizer Behörden

Die Tatsache, dass nun auch in der Schweiz Ermittlungen aufgenommen wurden, ist durchaus naheliegend: Laut Investmentcheck kommen einige geschädigte P&R-Anleger aus der Schweiz. Darüber hinaus befindet sich dort auch der Sitz der P&R-Tochtergesellschaft P&R Equipment & Finance Corp. Diese Gesellschaft ist für den Kauf der Container sowie deren Vermietung an internationale Gesellschaften zuständig. Sämtliche Gelder aus der nach wie vor laufenden Bewirtschaftung des P&R-Containerbestandes (derzeit ungefähr 630.000 Container) fließen also über diese P&R-Tochter.

Für die Gläubiger und den Insolvenzverwalter Michael Jaffé hat die P&R Equipment & Finance Corp. eine besondere Bedeutung: Jaffés Plan sieht nämlich vor, mithilfe der bislang nicht insolventen schweizerischen P&R, die bis zum Jahr 2021 Nettozuflüsse von rund 500 Millionen Euro erhalten könnte, schnellstmöglich Abschlagszahlungen an die geschädigten Investoren vorzunehmen. Allerdings gestaltet sich der Zugriff auf diese Firma aufgrund des rechtlichen Konstrukts der P&R-Gruppe nicht ganz einfach. Den Anlegern wurden die Container in Deutschland verkauft. Diese vier Gesellschaften sind insolvent. Die anschließende Vermietung der Container an Schiffsfrachtgesellschaften lief jedoch über die Schweiz. Da die Schweizer P&R-Gesellschaft nicht im Insolvenzverfahren ist, unterliegt sie nicht dem direkten Zugriff des deutschen Insolvenzverwalters.

Die Anteile an dem Unternehmen gehören dem P&R-Gründer Heinz R., gegen den die Münchener Behörden unter anderem ermitteln. Er sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft und zeigte sich zu Beginn des Insolvenzverfahrens zunächst kooperativ. Das soll sich jedoch inzwischen geändert haben. Wir werden Sie in dieser Angelegenheit weiter auf dem Laufenden halten.

von Guido Lenné
Guido Lenné

Rechtsanwalt aus der Anwaltskanzlei Lenné.
Rechtsanwalt Lenné ist auch Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht.

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