05. August 2019

Wer erbt was? Das Nachlassverzeichnis

Das Nachlassverzeichnis gibt Auskunft über den Bestand des Nachlasses. Es dient damit der Vorbereitung der Durchsetzung von Zahlungsansprüchen gegen den Erben. Ohne Offenlegung der Aktiva und Passiva des Nachlasses ist z. B. eine Berechnung des Pflichtteilanspruchs nicht möglich. Aber auch für die Auseinandersetzung einer Erbengemeinschaft ist die Erstellung eines Nachlassverzeichnisses durchaus sinnvoll.

Die Auskunftspflicht des Erben

Das Nachlassverzeichnis gibt Auskunft über den Wert des Nachlasses zum Zeitpunkt des Erbfalls (§ 2311 BGB). Die entscheidende Vorschrift zum Nachlassverzeichnis findet sich im Abschnitt über das Pflichtteilsrecht des Erbrechts (§§ 2303 - 2338 BGB). In § 2314 BGB ist die Auskunftspflicht des Erben geregelt.

2314 Auskunftspflicht des Erben

(1) Ist der Pflichtteilsberechtigte nicht Erbe, so hat ihm der Erbe auf Verlangen über den Bestand des Nachlasses Auskunft zu erteilen. Der Pflichtteilsberechtigte kann verlangen, dass er bei der Aufnahme des ihm nach § 260 vorzulegenden Verzeichnisses der Nachlassgegenstände zugezogen und dass der Wert der Nachlassgegenstände ermittelt wird. Er kann auch verlangen, dass das Verzeichnis durch die zuständige Behörde oder durch einen zuständigen Beamten oder Notar aufgenommen wird.

(2) Die Kosten fallen dem Nachlass zur Last.

Anspruchsberechtigter vs. Anspruchsverpflichteter

Anspruchsberechtigt ist jeder Pflichtteilsberechtigte. In der Regel sind das enterbte Kinder, Elternteile und der Ehegatte (§ 2303 BGB). Anspruchsverpflichteter ist der Erbe. Haben mehrere geerbt, so richtet sich der Anspruch gegen die Erbengemeinschaft.

Das Nachlassverzeichnis kann von dem Auskunftsverpflichteten selbst erstellt werden. Auf Verlangen des Auskunftsberechtigten muss jedoch ein notarielles Nachlassverzeichnis erstellt werden. Der Auskunftsberechtigte kann jederzeit von seinem Recht auf Erstellung eines notariellen Nachlassverzeichnisses Gebrauch machen. Die Kosten für die Erstellung des Nachlassverzeichnisses fallen dem Nachlass zur Last.

Aktiva und Passiva - was ist was?

Das Nachlassverzeichnis hat alle Aktiva und Passiva des Nachlasses zum Todeszeitpunkt des Erblassers zu enthalten. Es muss den vollständigen Bestand des Nachlasses geordnet wiedergeben.

Zu den Aktiva gehören:

  • Immobilienvermögen
  • Geldvermögen
  • wertvolle Gegenstände (Kunstgegenstände, Schmuck, Gold, Silber, Sammlungen etc.)
  • Hausrat
  • Forderungen gegen Dritte
  • Betriebsvermögen oder Unternehmensbeteiligungen

Zu den Passiva gehören:

  • Erblasserschulden
  • Erbfallkosten (z. B. Beerdigungskosten, Gutachterkosten, Kosten für die Erstellung eines notariellen Nachlassverzeichnisses)
  • Vermächtnisse
  • Schenkungen (z. B. auch Sparbücher oder Lebensversicherungen zugunsten Dritter)

Anhand der erfolgten Wertbestimmung kann dann die Höhe des im Einzelfall geltend gemachten Anspruchs (also Pflichtteilsanspruch/Anspruch bei Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft) bestimmt werden.

Immer wieder kommt es bei der Verteilung des Erbes zu langjährigen Auseinandersetzungen. Daher ist es ratsam, sich bei einem umstrittenen Erbfall schnellstmöglich anwaltliche Unterstützung zu suchen. Wir beraten und vertreten Sie in einem solchen Fall gern. Nutzen Sie einfach unser kostenloses Erstgespräch.

von Daniel Kutz
Daniel Kutz

Rechtsanwalt aus der Anwaltskanzlei Lenné.

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