04. August 2026

PayPal: Amtsgericht Kassel verurteilt PayPal zur Rückerstattung nach Fremdzugriff auf Konto

Uns werden immer wieder Fälle bekannt, in denen auf Pay-Pal-Konten Fremdzugriffe erfolgen und Geld abgebucht wird. So erhielt in einem Fall ein Kunde die Mitteilung, dass es ein Login mit einem neuen Gerät bei seinem PayPal-Konto gegeben habe. Im Anschluss wurden ca. 3.000 US-Dollar abgebucht. Dies hatte der Kunde weder veranlasst noch stoppen können. In einem von uns erstrittenen Versäumnisurteil hat das Amtsgericht Kassel PayPal zur Rückerstattung verurteilt.

Fremdzugriff auf PayPal-Konto

Der Kläger hatte von PayPal die Mitteilung per E-Mail erhalten, dass auf sein PayPal-Konto mit einem neuen Gerät zugegriffen worden ist. Hierbei erhielt er die Information, dass der Login aus München erfolgte, er hielt sich jedoch in Kassel auf. Als der Kläger sein Konto überprüfte, musste er feststellen, dass bereits mehrere Zahlungen an eine ihm unbekannte Firma mit Sitz im Ausland erfolgt waren. Die Zahlungen wurden von dem Kläger umgehend reklamiert und es wurde Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Eine Erstattung durch PayPal erfolgte jedoch nicht.

Erfolg vor dem Amtsgericht Kassel

Für den Kläger haben wir Klage vor dem Amtsgericht Kassel eingereicht. Da es sich um unautorisierte Zahlungen gehandelt hat, steht dem Kläger gegen PayPal als Zahlungsdienstleister ein Anspruch auf Wiedergutschrift zu. Dem ist auch das Amtsgericht Kassel gefolgt und hat die Beklagte mit Versäumnisurteil entsprechend verurteilt.

Betrug über PayPal: Typische Konstellationen

Der Fall zeigt ein typisches Muster:

  1. Unbekannter Gerätezugriff oder verdächtige Login‑Aktivitäten.
  2. Hohe Zahlungen an unbekannte Empfänger, oft im Ausland, in Fremdwährung.
  3. PayPal prüft intern und kommt zum Ergebnis, dass die Zahlungen angeblich autorisiert seien.
  4. Der Kunde erhält keine transparente Dokumentation der Prüfung.
  5. Statt Erstattung folgt Druck: Mahnungen, Inkasso, Schufa‑Risiko.

Gerade hier greifen die gesetzlichen Schutzmechanismen aus dem Zahlungsdienste‑Recht.

Ihre Rechte als PayPal‑Nutzer

Wenn über Ihr PayPal‑Konto Zahlungen ausgelöst werden, die Sie nicht veranlasst haben, haben Sie:

  1. Anspruch auf Erstattung/Wiedergutschrift nach § 675u Satz 2 BGB.
  2. Anspruch darauf, dass PayPal Ihnen nachvollziehbar darlegt,
    • wie die Prüfungen durchgeführt wurden,
    • auf welcher Grundlage die vermeintliche Autorisierung beruht.
  3. Als Verbraucher können Sie PayPal an Ihrem Wohnsitzgericht verklagen.

Wie Sie sich im Betrugsfall konkret verhalten sollten

  1. Sofortige Sicherung des Zugangs
    • Passwort ändern.
    • ggf. Zwei‑Faktor‑Authentifizierung aktivieren oder neu setzen.
    • unbekannte Geräte aus dem Konto entfernen.
  2. Dokumentation
    • Screenshots der verdächtigen E‑Mails
    • Screenshots der Transaktionen (Datum, Uhrzeit, Betrag, Empfänger).
    • Sicherung sämtlicher Korrespondenz mit PayPal.
  3. Unverzügliche Meldung an PayPal
    • Widerspruch gegen die Zahlungen.
    • ausdrückliche Erklärung, dass Sie die Zahlungen nicht autorisiert haben.
    • Bitte um detaillierte Dokumentation der Prüfung.
  4. Strafanzeige bei der Polizei
  5. Rechtliche Beratung und anwaltliche Vertretung
    • Wenn PayPal die Erstattung verweigert, kann eine anwaltliche Aufforderung mit Fristsetzung entscheidend sein.
    • Bleibt die Erstattung aus, kommt eine Klage in Betracht.
  6. Abwehr von Inkasso
    • Im vorliegenden Fall wurde das Inkassoverfahren eingestellt, nachdem wir tätig geworden sind.

Wenn Sie ein ähnliches Problem mit PayPal oder einem anderen Zahlungsdienstleister haben, prüfen wir Ihren Fall gerne und besprechen mit Ihnen, welche Schritte sinnvoll sind – von der außergerichtlichen Geltendmachung bis zur Klage.

Eine persönliche Beratung hilft, Ihre Ansprüche konkret zu klären und sicher durchzusetzen. Wir helfen Ihnen gerne weiter!

Muss PayPal unautorisierte Zahlungen nach einem Fremdzugriff erstatten?

Grundsätzlich ja. Wurden Zahlungen ohne Ihre Zustimmung ausgelöst, kann nach § 675u Satz 2 BGB ein Anspruch auf Wiedergutschrift bestehen. Ob PayPal die Erstattung verweigern darf, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Kann keine wirksame Autorisierung nachgewiesen werden, bestehen häufig gute Erfolgsaussichten.

Was sollte ich tun, wenn mein PayPal-Konto gehackt wurde?

Ändern Sie sofort Ihr Passwort, aktivieren oder erneuern Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung und entfernen Sie unbekannte Geräte aus Ihrem Konto. Melden Sie die unautorisierten Zahlungen unverzüglich bei PayPal, sichern Sie alle Beweise und erstatten Sie Strafanzeige. Je schneller Sie handeln, desto besser lassen sich Ihre Ansprüche durchsetzen.

Darf PayPal die Erstattung einfach mit dem Hinweis ablehnen, die Zahlung sei autorisiert gewesen?

Nein. Eine bloße Behauptung genügt grundsätzlich nicht. PayPal muss nachvollziehbar darlegen können, weshalb die Zahlung als autorisiert angesehen wird. Betroffene haben das Recht, eine transparente Prüfung und entsprechende Informationen zu verlangen.

Kann ich PayPal in Deutschland verklagen?

Ja. Verbraucher können ihre Ansprüche gegen PayPal regelmäßig vor dem Gericht ihres eigenen Wohnsitzes geltend machen. Dadurch müssen Betroffene ihre Rechte nicht im Ausland durchsetzen.

Lohnt sich ein Anwalt, wenn PayPal die Erstattung verweigert?

In vielen Fällen ja. Eine anwaltliche Prüfung kann klären, ob ein Anspruch auf Rückerstattung besteht und welche Erfolgsaussichten eine außergerichtliche Aufforderung oder eine Klage hat. Häufig lassen sich auch Inkassomaßnahmen oder weitere Nachteile wirksam abwehren.

von Kerstin Messerschmidt
Kerstin Messerschmidt

Angestellte Rechtsanwältin aus der Anwaltskanzlei Lenné.

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