10. September 2026

PayPal-Ratenzahlung im Shop: Welche neuen Pflichten gelten seit 7. September 2026 für Händler?

PayPal gehört für viele Onlinehändler längst zur normalen Zahlungsabwicklung. Kunden können ihre Bestellung bezahlen, während der Händler den Kaufpreis über PayPal erhält. Besonders attraktiv sind dabei Angebote, bei denen Verbraucher den Kaufpreis erst später oder in Raten begleichen.

Seit dem 7. September 2026 müssen Händler mit einem PayPal-Geschäftskonto allerdings genauer hinschauen. PayPal hat seine Nutzungsbedingungen um Regelungen zu sogenannten verknüpften Pay-Later-Vereinbarungen ergänzt beziehungsweise konkretisiert.

Das kann für Händler erhebliche finanzielle Auswirkungen haben. Denn kommt es nach dem Verkauf zu Problemen mit dem Kaufvertrag, kann PayPal unter bestimmten Voraussetzungen nicht nur eine Rückzahlung verlangen. Nach den neuen Bedingungen können auch weitergehende Erstattungs- und Freistellungsansprüche im Raum stehen.

Gerade bei höherpreisigen Waren sollten Unternehmen deshalb prüfen, welche Folgen die neue Regelung für ihr Geschäft haben kann.

Was hat PayPal zum 7. September 2026 geändert?

Die neuen Regelungen betreffen PayPal-Geschäftskonten, wenn Kunden ein Pay-Later- oder Ratenzahlungsangebot nutzen, das rechtlich mit dem zugrunde liegenden Kaufvertrag verbunden ist.

Dabei entstehen zwei unterschiedliche Vertragsverhältnisse:

  • zwischen Händler und Kunde besteht der Kaufvertrag über die Ware oder Dienstleistung
  • daneben besteht die Finanzierung beziehungsweise Ratenzahlungsvereinbarung zwischen dem Kunden und PayPal

Unter bestimmten Voraussetzungen sind beide Verträge rechtlich miteinander verbunden.

Das ist deshalb wichtig, weil Probleme aus dem Kaufvertrag dann Auswirkungen auf die Finanzierung haben können.

Liefert der Händler beispielsweise überhaupt nicht, ist die Ware mangelhaft oder wird der Kaufvertrag wirksam rückabgewickelt, kann der Kunde unter bestimmten Voraussetzungen auch gegenüber dem Kreditgeber Rechte geltend machen.

In Deutschland findet sich dieses Prinzip insbesondere in den Vorschriften über verbundene Verträge und Einwendungen bei verbundenen Verträgen in §§ 358 und 359 BGB.

Was ist ein verbundener Kreditvertrag?

Nicht jede PayPal-Zahlung und auch nicht jedes Angebot zum späteren Bezahlen ist automatisch von den neuen Bestimmungen betroffen.

Entscheidend ist vielmehr, ob zwischen dem Kaufvertrag und dem Kreditvertrag eine ausreichend enge wirtschaftliche Verbindung besteht.

Bei einem verbundenen Vertrag dient das Darlehen typischerweise gerade dazu, den konkreten Kauf zu finanzieren. Kauf und Finanzierung bilden damit wirtschaftlich betrachtet eine Einheit.

Das kann dazu führen, dass Einwendungen des Verbrauchers gegen den Händler auch Auswirkungen auf die Rückzahlung des Kredits haben.

  • 359 BGB sieht beispielsweise vor, dass ein Verbraucher die Rückzahlung eines Darlehens unter bestimmten Voraussetzungen verweigern kann, soweit ihm wegen des verbundenen Vertrags Einwendungen gegen den Unternehmer zustehen.

Ob eine konkrete PayPal-Finanzierung tatsächlich unter diese Regelungen fällt, sollte allerdings immer anhand des jeweiligen Zahlungsmodells und des konkreten Vertrags geprüft werden.

Welche neuen Pflichten können auf PayPal-Händler zukommen?

Die aktualisierten PayPal-Bedingungen enthalten mehrere Punkte, die Unternehmen kennen sollten.

Rückzahlung bei Rückabwicklung

Wird ein mit dem Kauf verbundener Kreditvertrag rückabgewickelt, sieht PayPal vor, dass der Händler den Betrag zurückzahlen muss, der ihm aufgrund dieser Finanzierung ausgezahlt worden ist.

Das kann beispielsweise relevant werden, wenn der zugrunde liegende Kaufvertrag unwirksam ist oder erfolgreich rückabgewickelt wird.

Nach den PayPal-Bedingungen soll die Rückzahlung grundsätzlich unverzüglich erfolgen.

PayPal muss über die Rückabwicklung informiert werden

Zusätzlich können Händler verpflichtet sein, PayPal über die entsprechende Transaktion zu informieren.

Je nach technischer Anbindung kann dies beispielsweise über eine entsprechende Kennzeichnung der Transaktion im PayPal-Konto oder über die verwendete Schnittstelle erfolgen.

Gerade für Unternehmen mit einer automatisierten Zahlungsabwicklung ist deshalb wichtig, dass Rücksendungen, Stornierungen und Rückabwicklungen korrekt im System verarbeitet werden.

Auch Teilrückzahlungen können erfasst sein

Die Regelung beschränkt sich nicht auf die vollständige Rückabwicklung eines Geschäfts.

Wird beispielsweise nur ein Teil einer Bestellung zurückgegeben oder der finanzierte Betrag reduziert, können die Rückzahlungs- und gegebenenfalls weitere Verpflichtungen anteilig greifen.

Das kann besonders bei Händlern mit umfangreichen Bestellungen oder mehreren Artikeln innerhalb einer Transaktion relevant werden.

Was passiert, wenn der Kunde wegen eines Mangels seine PayPal-Raten nicht mehr zahlt?

Besonders interessant ist eine weitere Regelung.

Hat der Kunde nach dem Verbraucherkreditrecht das Recht, seine Zahlungen an PayPal wegen Einwendungen aus dem Kaufvertrag zurückzuhalten, können sich daraus Ansprüche von PayPal gegen den Händler ergeben.

Als Beispiele nennt PayPal insbesondere:

  • Nichtlieferung der Ware
  • mangelhafte Leistung
  • sonstige dem Händler zurechenbare Vertragsverletzungen
  • Unwirksamkeit oder Nichtigkeit des Kaufvertrags

PayPal sieht für solche Fälle vor, dass der Händler für Kreditrückzahlungen einstehen kann, die PayPal aufgrund der berechtigten Einwendungen des Kunden nicht erhält.

Das kann nach den Bedingungen sogar auf damit verbundene Zinsen ausgedehnt werden.

Für Händler entsteht dadurch ein erhebliches wirtschaftliches Risiko: Der Konflikt besteht nicht mehr ausschließlich zwischen Käufer und Verkäufer. Zusätzlich kann PayPal selbst Forderungen gegenüber dem Händler geltend machen.

Beispiel: Hochpreisiger Einkauf über PayPal-Ratenzahlung

Ein Onlinehändler verkauft einem Verbraucher beispielsweise ein hochwertiges E-Bike für 4.500 Euro.

Der Kunde nutzt zur Bezahlung ein entsprechendes PayPal-Ratenzahlungsangebot. Der Händler erhält den Kaufpreis zunächst über PayPal.

Später behauptet der Käufer, das gelieferte Fahrrad weise erhebliche Mängel auf. Nachdem der Streit mit dem Händler nicht beigelegt werden konnte, stellt der Kunde die weiteren Ratenzahlungen gegenüber PayPal ein und beruft sich auf seine Rechte aus dem Kaufvertrag.

Nun müssen mehrere Fragen getrennt geprüft werden:

  • Besteht der behauptete Mangel tatsächlich?
  • Hat der Händler Gelegenheit zur Nacherfüllung erhalten?
  • Ist die Nacherfüllung fehlgeschlagen?
  • Darf der Kunde deshalb tatsächlich Zahlungen an PayPal zurückhalten?
  • Handelt es sich überhaupt um einen rechtlich verbundenen Kreditvertrag?
  • Kann PayPal die daraus entstehenden Beträge anschließend vom Händler verlangen?

Gerade bei mehreren tausend Euro Kaufpreis können solche Streitigkeiten für Unternehmen schnell wirtschaftlich relevant werden.

Kann PayPal zusätzlich Schadensersatz oder Kosten verlangen?

Die neuen Bedingungen gehen teilweise noch weiter.

Beruht die Rückabwicklung des Kaufvertrags nach Auffassung von PayPal auf einer schuldhaften Handlung oder Unterlassung des Händlers, enthalten die Bedingungen weitreichende Freistellungsregelungen.

Danach können neben dem ausgezahlten Kreditbetrag unter bestimmten Voraussetzungen auch weitere Positionen eine Rolle spielen, beispielsweise:

  • Zinsen
  • Gerichtskosten
  • Rechtskosten
  • Anwaltskosten

Auch bei einer Verletzung bestimmter Mitwirkungs- oder Informationspflichten sieht PayPal zusätzliche Ersatzansprüche vor.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jede von PayPal erhobene Forderung automatisch berechtigt und in voller Höhe zu bezahlen ist.

Müssen Händler jede Forderung von PayPal akzeptieren?

Nein.

Gerade bei höheren Rückforderungen sollte zunächst sorgfältig geprüft werden, auf welcher rechtlichen und vertraglichen Grundlage PayPal die Forderung erhebt.

Zu prüfen sind unter anderem:

  • Fällt die konkrete Zahlungsart überhaupt unter die Regelungen über einen verbundenen Kreditvertrag?
  • Welche Fassung der PayPal-Nutzungsbedingungen ist maßgeblich?
  • Bestehen die vom Kunden behaupteten Rechte aus dem Kaufvertrag tatsächlich?
  • War eine Rückabwicklung überhaupt berechtigt?
  • Ist dem Händler eine Vertragsverletzung zurechenbar?
  • Liegt tatsächlich ein schuldhaftes Verhalten des Händlers vor?
  • Ist die von PayPal verlangte Summe rechnerisch nachvollziehbar?
  • Sind zusätzlich verlangte Kosten rechtlich erstattungsfähig?
  • Sind die von PayPal herangezogenen Vertragsklauseln im konkreten Verhältnis wirksam?

Auch Allgemeine Geschäftsbedingungen von Zahlungsdienstleistern sind nicht jeder rechtlichen Prüfung entzogen. Bei weitreichenden Rückzahlungs-, Freistellungs- oder Kostenregelungen kann deshalb eine Prüfung des konkreten Einzelfalls sinnvoll sein.

Was sollten betroffene PayPal-Händler jetzt tun?

Unternehmen, die PayPal-Ratenzahlungen anbieten oder entsprechende Transaktionen über ihr Geschäftskonto erhalten, sollten ihre internen Abläufe überprüfen.

Besonders wichtig ist eine vollständige Dokumentation.

Aufbewahrt werden sollten insbesondere:

  • Bestellung und Auftragsbestätigung
  • Produktbeschreibung zum Zeitpunkt des Kaufs
  • Versand- und Zustellnachweise
  • Kommunikation mit dem Kunden
  • Reklamationen und Mängelanzeigen
  • Nachweise über angebotene oder erfolgte Nacherfüllung
  • Rücksendebelege
  • Angaben zum PayPal-Zahlungsvorgang
  • Mitteilungen von PayPal
  • Informationen über Rückbuchungen und Konfliktfälle

Erhebt PayPal anschließend eine größere Forderung, sollte diese nicht vorschnell anerkannt werden. Entscheidend ist vielmehr, die zugrunde liegenden Vertragsverhältnisse sauber voneinander zu trennen und zu prüfen, welche Ansprüche tatsächlich bestehen.

PayPal fordert Geld von Ihrem Unternehmen? Wir prüfen die Forderung

Konflikte zwischen Unternehmen und PayPal können schnell kompliziert werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn Käuferrechte, Ratenzahlungen, Rückbuchungen und PayPal-Nutzungsbedingungen gleichzeitig eine Rolle spielen.

Unsere Kanzlei unterstützt Unternehmen unter anderem bei:

  • der Prüfung von PayPal-Rückforderungen
  • der rechtlichen Bewertung von PayPal-Nutzungsbedingungen
  • Streitigkeiten aufgrund von Käuferschutz und Rückbuchungen
  • negativen PayPal-Kontoständen
  • eingefrorenen oder zurückgehaltenen Guthaben
  • der außergerichtlichen Kommunikation mit PayPal
  • der gerichtlichen Durchsetzung oder Abwehr von Forderungen

Gerade bei höheren Beträgen sollte geprüft werden, ob die von PayPal verlangte Rückzahlung oder Freistellung tatsächlich berechtigt ist.

Weitere Informationen zu Problemen mit PayPal finden Sie auf unserer Sonderseite:

https://anwalt-gegen-paypal.de/

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Gelten die neuen PayPal-Regeln für jedes PayPal-Geschäft?

Nein. Die neuen Regelungen betreffen insbesondere Geschäftskonten und Pay-Later-Angebote, bei denen die Finanzierung rechtlich mit dem zugrunde liegenden Kaufvertrag verbunden ist. Eine normale PayPal-Zahlung ist daher nicht automatisch betroffen.

Gelten die neuen Regelungen auch für private PayPal-Konten?

Die von PayPal zum 7. September 2026 angekündigten Händlerpflichten beziehen sich ausdrücklich auf Geschäftskonten. Privatkonten werden von diesen Händlerregelungen nicht erfasst.

Was passiert, wenn ein Kunde seine PayPal-Raten wegen mangelhafter Ware nicht mehr bezahlt?

Ist der Kunde rechtlich berechtigt, seine Kreditraten wegen Einwendungen aus dem Kaufvertrag zurückzuhalten, können nach den PayPal-Bedingungen Rückzahlungs- oder Entschädigungsansprüche gegenüber dem Händler entstehen. Ob dies im konkreten Fall berechtigt ist, muss individuell geprüft werden.

Kann PayPal bei einer Teilrückgabe ebenfalls Geld vom Händler verlangen?

Ja. Die Bedingungen sehen auch für Teilrückbuchungen und teilweise Warenrückgaben anteilige Rückzahlungs- und gegebenenfalls Freistellungspflichten vor.

Kann PayPal neben dem Kaufpreis auch Zinsen und Anwaltskosten verlangen?

Die neuen Nutzungsbedingungen enthalten unter bestimmten Voraussetzungen entsprechende Regelungen. Ob solche Kosten im konkreten Fall tatsächlich und in der verlangten Höhe durchsetzbar sind, ist jedoch eine gesonderte Rechtsfrage.

Muss ein Händler eine PayPal-Rückforderung sofort bezahlen?

Eine Forderung sollte zunächst auf ihre tatsächliche und rechtliche Grundlage geprüft werden. Besonders bei hohen Beträgen sollte geklärt werden, ob der Kunde tatsächlich berechtigte Einwendungen hatte, die betreffende Finanzierung unter die Regelungen fällt und PayPal die Forderung korrekt berechnet hat.

Was sollte ein Händler bei einem Konflikt mit PayPal sichern?

Wichtig sind insbesondere Bestellunterlagen, Versand- und Zustellnachweise, Produktbeschreibungen, Kundenkommunikation, Reklamationen, Rücksendebelege sowie sämtliche PayPal-Mitteilungen und Transaktionsdaten.

Kann eine Anwaltskanzlei PayPal-Forderungen gegen Händler prüfen?

Ja. Dabei können sowohl die zugrunde liegenden Kauf- und Finanzierungsverhältnisse als auch die PayPal-Bedingungen, die behaupteten Käuferrechte und die Höhe der geltend gemachten Forderung überprüft werden.

von Rebekka Jäger
Rebekka Jäger

Angestellte Rechtsanwältin aus der Anwaltskanzlei Lenné.

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