15. Oktober 2026

PayPal-Rechnungskauf mit Ratepay: Dürfen Händler ab November noch 30 Tage Zahlungsziel anbieten?

PayPal kündigt neue Bedingungen für den Rechnungskauf mit Ratepay an

Am 13. Oktober 2026 hat PayPal eine wichtige Änderung seiner Nutzungsbedingungen angekündigt. Sie betrifft Händler, die in ihrem Onlineshop die Zahlungsmethode „Rechnungskauf mit Ratepay“ anbieten.

Die neuen Regelungen sollen am 20. November 2026 wirksam werden.

Hintergrund ist die Umsetzung der europäischen Verbraucherkreditrichtlinie (EU) 2023/2225 in deutsches Recht. Diese führt zu Änderungen bei verschiedenen Finanzierungsformen, darunter auch bestimmten Angeboten zum späteren Bezahlen.

Für Händler ergeben sich daraus neue Anforderungen.

Besonders relevant ist die Frage, ob das Unternehmen nach den europäischen Vorgaben als kleines oder mittleres Unternehmen gilt.

Davon kann künftig abhängen, ob der Rechnungskauf mit einem Zahlungsziel von 30 Tagen weiterhin angeboten werden darf.

Was ändert sich beim PayPal-Rechnungskauf konkret?

PayPal hat vier wesentliche Änderungen angekündigt.

1. Neue Zusicherung des KMU-Status

Händler müssen künftig zusichern, dass sie als kleines oder mittleres Unternehmen im Sinne des EU-Rechts gelten, wenn sie Verbrauchern weiterhin das standardmäßige Zahlungsziel von 30 Tagen anbieten möchten.

2. Mitteilungspflicht bei Veränderungen

Verliert ein Unternehmen seinen KMU-Status, muss es PayPal darüber informieren.

3. Verkürzung des Zahlungsziels für größere Händler

Unternehmen, die nicht als KMU gelten, können nach Abstimmung mit PayPal das Zahlungsziel auf 14 Tage verkürzen.

Erfolgt keine entsprechende Anpassung, kann PayPal den Rechnungskauf mit Ratepay als Zahlungsmethode entfernen.

4. Erweiterte Haftung bei falschen Angaben

PayPal erweitert seine Freistellungsansprüche für Schäden, die durch eine unzutreffende Angabe des KMU-Status entstehen.

Für betroffene Unternehmen ist insbesondere dieser letzte Punkt wirtschaftlich relevant.

Was bedeutet KMU und welche Unternehmen sind betroffen?

KMU steht für kleine und mittlere Unternehmen.

Die maßgebliche europäische Definition ergibt sich aus der Empfehlung 2003/361/EG der Europäischen Kommission.

Danach gilt ein Unternehmen grundsätzlich als KMU, wenn es

  • weniger als 250 Mitarbeiter beschäftigt und
  • entweder einen Jahresumsatz von höchstens 50 Millionen Euro erzielt oder
  • eine Jahresbilanzsumme von höchstens 43 Millionen Euro aufweist.

Diese Werte sind allerdings nicht immer isoliert zu betrachten.

Gehört ein Unternehmen zu einer Unternehmensgruppe oder bestehen Beteiligungen an anderen Gesellschaften, können zusätzliche Mitarbeiterzahlen und Finanzdaten berücksichtigt werden müssen.

Ein Onlineshop mit beispielsweise 30 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von fünf Millionen Euro wird bei eigenständiger Unternehmensstruktur regelmäßig als KMU einzuordnen sein.

Anders kann es aussehen, wenn derselbe Shop zu einem größeren Konzern gehört.

Entscheidend ist deshalb nicht allein die Größe des einzelnen Onlineshops, sondern gegebenenfalls auch seine gesellschaftsrechtliche Einbindung.

Warum wird der KMU-Status für PayPal plötzlich so wichtig?

Die neuen PayPal-Bedingungen stehen im Zusammenhang mit der europäischen Verbraucherkreditrichtlinie II.

Deutschland hat diese durch das Gesetz vom 12. Mai 2026 zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2023/2225 umgesetzt.

Die wesentlichen verbraucherkreditrechtlichen Änderungen gelten ab dem 20. November 2026.

Dadurch werden künftig auch Finanzierungsformen erfasst, die bisher teilweise außerhalb der besonderen Vorschriften für Verbraucherdarlehen lagen.

Dazu gehören beispielsweise bestimmte zinsfreie Finanzierungen und sogenannte Buy-now-pay-later-Angebote.

Eine wichtige Rechtsgrundlage ist § 506 BGB in seiner ab dem 20. November 2026 geltenden Fassung.

Die Vorschrift regelt Zahlungsaufschübe und sonstige Finanzierungshilfen.

Sie enthält auch Ausnahmen für bestimmte kurzfristige und unentgeltliche Zahlungsaufschübe.

Bei größeren Onlineanbietern gelten für bestimmte Ausnahmen strengere Voraussetzungen als bei kleineren Unternehmen.

Die jetzt angekündigten PayPal-Bedingungen greifen diese gesetzliche Entwicklung auf.

Allerdings ist zwischen den gesetzlichen Voraussetzungen für einen Zahlungsaufschub und den konkreten vertraglichen Bedingungen des PayPal-Ratepay-Produkts zu unterscheiden.

Nicht jeder Rechnungskauf ist automatisch ein Verbraucherdarlehen. Ebenso wenig bedeutet die Gesetzesänderung, dass sämtliche Händler nur noch Zahlungsziele von 14 Tagen anbieten dürfen.

Was passiert, wenn ein Händler kein KMU ist?

Nach der Änderungsankündigung von PayPal können größere Unternehmen den Rechnungskauf mit Ratepay weiterhin anbieten, wenn sie mit PayPal eine Verkürzung des Zahlungsziels auf 14 Tage abstimmen.

Ein automatischer Anspruch auf diese Anpassung ergibt sich aus der Ankündigung allerdings nicht.

Kommt eine entsprechende Vereinbarung nicht zustande, kann PayPal die Zahlungsmethode entfernen.

Für Onlinehändler kann das erhebliche wirtschaftliche Folgen haben.

Der Rechnungskauf gehört zu den Zahlungsarten, die vielen Verbrauchern ein Gefühl zusätzlicher Sicherheit vermitteln.

Kunden erhalten zunächst die Ware und müssen erst anschließend bezahlen.

Fällt diese Möglichkeit weg, kann das die Kaufentscheidung beeinflussen.

Besonders betroffen können Unternehmen sein, die einen wesentlichen Teil ihres Umsatzes über den Rechnungskauf erzielen.

Kann PayPal den Rechnungskauf einfach abschalten?

PayPal behält sich in den Bedingungen für Rechnungskauf mit Ratepay grundsätzlich vor, diese Zahlungsmethode nicht anzubieten oder einzuschränken.

Daraus folgt allerdings nicht, dass jede Einschränkung im Einzelfall automatisch rechtmäßig wäre.

Entscheidend sind insbesondere:

  • die konkret vereinbarten Vertragsbedingungen,
  • die Wirksamkeit der betreffenden Klauseln,
  • die Einhaltung vertraglicher Informationspflichten,
  • der Grund für die Einschränkung und
  • mögliche individuelle Vereinbarungen zwischen PayPal und dem Händler.

Bei einem Streit über die Entfernung der Zahlungsmethode sollte deshalb geprüft werden, welche Vertragsfassung gilt und welche konkreten Voraussetzungen PayPal für die weitere Nutzung verlangt.

Eine rechtliche Prüfung kann insbesondere dann wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn die Zahlungsmethode einen erheblichen Anteil am Umsatz des Unternehmens ausmacht.

Welche Haftungsrisiken entstehen durch eine falsche KMU-Erklärung?

Besonders aufmerksam sollten Händler die angekündigte Erweiterung der Freistellungsansprüche betrachten.

PayPal will sich künftig gegen Schäden absichern, die durch unzutreffende Angaben zum KMU-Status entstehen.

Eine Freistellungsklausel kann dazu führen, dass ein Vertragspartner bestimmte Schäden oder Ansprüche wirtschaftlich tragen muss, die zunächst beim anderen Vertragspartner entstehen.

Für Händler kann das bedeuten, dass eine unrichtige Erklärung zur Unternehmensgröße finanzielle Konsequenzen hat.

Denkbar sind beispielsweise Streitigkeiten darüber, ob PayPal wegen der fehlerhaften Einstufung ein Schaden entstanden ist und ob dieser vom Händler ersetzt werden muss.

Ob ein solcher Anspruch tatsächlich besteht, hängt von der konkreten Vertragsklausel und den Umständen des Einzelfalls ab.

Insbesondere müssen Anspruchsvoraussetzungen, Schadenshöhe und mögliche Einwendungen geprüft werden.

Eine falsche KMU-Einstufung bedeutet daher nicht automatisch eine unbegrenzte Haftung. Sie kann aber ein erhebliches vertragliches Risiko begründen.

Müssen Händler ihren KMU-Status regelmäßig überprüfen?

PayPal verlangt nach seiner Ankündigung nicht nur eine Zusicherung des KMU-Status.

Händler sollen PayPal auch informieren, sobald diese Voraussetzung nicht mehr erfüllt ist.

Damit gewinnt die laufende Überprüfung der Unternehmensgröße an Bedeutung.

Ein Unternehmen kann seinen Status beispielsweise durch starkes Wachstum, eine Umstrukturierung oder die Übernahme durch eine größere Unternehmensgruppe verändern.

Auch Beteiligungsverhältnisse können relevant sein.

Händler sollten deshalb dokumentieren, auf welcher Grundlage sie ihre Einstufung vorgenommen haben.

Bei komplexeren Unternehmensstrukturen empfiehlt sich eine rechtliche Prüfung der europäischen KMU-Definition.

Betrifft die Änderung auch Privatkunden?

Die neuen PayPal-Bedingungen richten sich zunächst an Händler, die Rechnungskauf mit Ratepay anbieten.

Für Verbraucher kann sich die Änderung dennoch bemerkbar machen.

Wird das Zahlungsziel von 30 auf 14 Tage verkürzt, müssen Käufer den Rechnungsbetrag entsprechend früher begleichen.

Fällt die Zahlungsmethode vollständig weg, steht sie im betreffenden Onlineshop möglicherweise nicht mehr zur Verfügung.

Wichtig ist dabei, dass die angekündigte Änderung nicht sämtliche PayPal-Zahlungen betrifft.

Sie bezieht sich auf das konkrete Produkt „Rechnungskauf mit Ratepay“.

Andere PayPal-Zahlungsarten sind von dieser speziellen Änderung nicht automatisch betroffen.

Können Händler individuelle Bedingungen mit PayPal vereinbaren?

Ja.

PayPal kündigt ausdrücklich an, künftig auch individuelle Bedingungen für einzelne Händler vorsehen zu können.

Diese können beispielsweise vom Warenkorbwert oder von bestimmten B2B-Transaktionen abhängen.

Damit besteht zumindest die Möglichkeit, dass die konkrete Ausgestaltung der Zahlungsmethode nicht bei jedem Unternehmen identisch sein wird.

Ob PayPal im Einzelfall eine abweichende Vereinbarung anbietet, lässt sich aus der allgemeinen Änderungsankündigung jedoch nicht ableiten.

Unternehmen mit einem hohen Umsatzvolumen sollten deshalb frühzeitig klären, welche vertraglichen Möglichkeiten für sie bestehen.

Was sollten Onlinehändler vor dem 20. November 2026 unternehmen?

Betroffene Händler sollten die angekündigte Änderung nicht erst nach ihrem Inkrafttreten prüfen.

Zunächst sollte festgestellt werden, ob im eigenen Onlineshop tatsächlich der Rechnungskauf mit Ratepay über PayPal eingesetzt wird.

Anschließend sollte die KMU-Einstufung überprüft werden.

Besonders wichtig ist dies bei Unternehmensgruppen, Beteiligungsgesellschaften und schnell wachsenden Unternehmen.

Danach sollten die neuen Vertragsbedingungen und insbesondere die Freistellungsklauseln geprüft werden.

Für größere Unternehmen stellt sich zusätzlich die Frage, ob eine Umstellung auf ein Zahlungsziel von 14 Tagen möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist.

Auch die technischen Einstellungen des Onlineshops können betroffen sein.

Wird das Zahlungsziel verändert, müssen die Angaben im Bestellprozess, in den Zahlungsinformationen und gegebenenfalls in der Kundenkommunikation angepasst werden.

Was können Händler tun, wenn PayPal die Zahlungsmethode entfernt?

Entfernt PayPal den Rechnungskauf mit Ratepay, sollte zunächst eine nachvollziehbare Begründung angefordert werden.

Anschließend ist zu prüfen, ob die Einschränkung auf den vereinbarten Vertragsbedingungen beruht und ob die Voraussetzungen tatsächlich vorliegen.

Mögliche rechtliche Fragen sind insbesondere:

  • Ist die Einstufung des Unternehmens als Nicht-KMU zutreffend?
  • Wurde die maßgebliche Vertragsänderung wirksam einbezogen?
  • Bestehen individuelle Vereinbarungen?
  • Wurde eine mögliche Umstellung auf 14 Tage berücksichtigt?
  • Ist die konkrete Einschränkung vertraglich gerechtfertigt?
  • Können durch eine unberechtigte Einschränkung Schadensersatzansprüche entstehen?

Ob Ansprüche gegen PayPal bestehen, lässt sich nur anhand des jeweiligen Vertragsverhältnisses beurteilen.

Fazit: Neue PayPal-Bedingungen können für Händler teuer werden

Die am 13. Oktober 2026 angekündigten Änderungen beim Rechnungskauf mit Ratepay betreffen eine wirtschaftlich wichtige Zahlungsmethode.

Ab dem 20. November 2026 wird der KMU-Status für das reguläre Zahlungsziel von 30 Tagen besonders relevant.

Größere Unternehmen müssen gegebenenfalls auf 14 Tage umstellen oder damit rechnen, dass PayPal die Zahlungsmethode entfernt.

Zusätzlich entstehen neue Risiken durch die angekündigte Erweiterung der Freistellungsansprüche bei falschen Angaben zur Unternehmensgröße.

Händler sollten deshalb frühzeitig prüfen, ob sie die Voraussetzungen für den weiteren Rechnungskauf mit Ratepay erfüllen und welche Vertragsänderungen für sie gelten.

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Nutzen Sie unsere kostenlose telefonische Erstberatung. Weitere Informationen rund um rechtliche Probleme mit PayPal finden Sie auf unserer Sonderseite anwalt-gegen-paypal.de.

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Ab wann gelten die neuen PayPal-Bedingungen?

Die Änderungen wurden am 13. Oktober 2026 angekündigt und sollen am 20. November 2026 wirksam werden.

Darf jeder Händler weiterhin 30 Tage Zahlungsziel anbieten?

Nach den angekündigten Bedingungen müssen Händler für das reguläre 30-Tage-Zahlungsziel beim Rechnungskauf mit Ratepay ihren KMU-Status zusichern. Für größere Unternehmen sieht PayPal eine mögliche Umstellung auf 14 Tage nach Abstimmung vor.

Wann gilt ein Unternehmen als KMU?

Grundsätzlich bei weniger als 250 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von höchstens 50 Millionen Euro oder einer Bilanzsumme von höchstens 43 Millionen Euro. Bei verbundenen Unternehmen können zusätzliche Daten berücksichtigt werden müssen.

Was passiert, wenn mein Unternehmen kein KMU ist?

Nach Abstimmung mit PayPal kann möglicherweise auf ein Zahlungsziel von 14 Tagen umgestellt werden. Andernfalls kann PayPal den Rechnungskauf mit Ratepay entfernen.

Kann PayPal Schadensersatz wegen einer falschen KMU-Erklärung verlangen?

Die neuen Bedingungen sehen erweiterte Freistellungsansprüche vor. Ob und in welcher Höhe PayPal tatsächlich Ansprüche geltend machen kann, hängt von der wirksamen Vertragsregelung und dem konkreten Schaden ab.

Gelten die Änderungen auch für andere PayPal-Zahlungsarten?

Nicht automatisch. Die Ankündigung betrifft ausdrücklich den Rechnungskauf mit Ratepay.

Können Händler gegen die Entfernung der Zahlungsmethode vorgehen?

Ob rechtliche Ansprüche bestehen, hängt insbesondere von den Vertragsbedingungen, der Begründung der Einschränkung und möglichen individuellen Vereinbarungen ab.

von Anna-Lucia Kürn
Anna-Lucia Kürn

Angestellte Rechtsanwältin aus der Anwaltskanzlei Lenné.

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